Donnerstag, 12. August 2010

Singzikaden in Kanada

Bevor ich Euch mit weitere Urlaubsfotos langweile, weiche ich heute mal total vom Thema ab.
Für den Einen ist es unangenehmes Kribbel-Krabbel-Zeug,
für mich sind es Erinnerungen aus der Kindheit.
Der laute Gesang der Singzikade „Chicharra“.
Es hat für mich was Heimatliches… ja, sogar angenehm und beruhigend.
In Tropen und Mittelmeerländer bekannt, doch das ich sie hier in Kanada wiederfinde,
darauf hätte ich nie gewettet.
Es gibt weltweit ca. 4000 bekannte Arten, doch nur die Singzikade gibt Laute wieder, die vom Menschen hörbar sind. Und wie laut! Aber nur die Männchen! Einmal um die Weiber anzulocken und um ihr Revier abzugrenzen.
Dass die Gesänge hauptsächlich von den Männchen ausgehen, war schon den alten Griechen bekannt und verleitete den griechischen Dichter Xenarchos zu dem Ausspruch:
„Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Weiber“.
Eine Singzikade kann Laute bis zu 900Herz und Lautstärken bis 120dB erzeugen.
Sie singen und pausen immer alle Gleichzeitig… Herrlich! Wie in Paraguay damals!
Sie singen nur Tags bei Sonnenschein, nicht wie Grillen auch nachts.
Obwohl wir in diesem Jahr so viele haben, sitzen sie sehr gut getarnt auf Ästen und Baumstämmen. Immer wenn ich sie suche zum Fotogerafieren, sind sie wutsch weg!
Sie können unheimlich gut springen und nehmen nicht nur Geräusche und Formen,
sondern auch Farben war.
Mir ist es aber doch gelungen sie zu fotografieren, ha! Musste nur wissen wann.
Die hier hat schön still gehalten weil sie gerade ihre Eier ablegte.
Und dieses Pärchen… na ja, sind beim poppen, oder richtig; bei der „Kopulation“ vom Baum gefallen. Das war meine Gelegenheit sie zu verewigen.
400 bis 600 Eier können in einen Monat gelegt werden.
Nach fünf bis acht Wochen ist die Embryonalentwicklung abgeschlossen. Die Junglarven sprengen die Eihülle und schlüpfen aus der Einstichöffnung heraus, wobei sie die Embryonalhülle abstreifen. Sie fallen auf die Erde. Von nun an leben die gelblichen oder weißlichen Larven grabend im Boden. Dazu verfügen sie über kräftige, zu Grabbeinen entwickelte Vorderbeine, deren sehr kurze Schenkel verdickt und bedornt sind. Die Larven saugen an Wurzeln. Haben sie eine geeignete Nahrungsquelle gefunden, legen sie sich eine Aufenthaltskammer an. Je nach Bodenverhältnissen sind die Larven zwischen 15 und 60 Zentimetern Tiefe zu finden. Zuweilen dringen sie sogar bis zu 3 Meter tief in den Boden ein.
Singzikaden durchlaufen fünf, durch Häutungen getrennte Larvenstadien, wobei sie dem erwachsenen Tier allmählich immer ähnlicher werden. Sie haben im Vergleich zum wenige Monate währenden Erwachsenenleben eine sehr lange Larvenentwicklungszeit. Diese dauert von neun Monaten bis zu mehrere Jahre. Meist sind es zwei bis fünf Jahre. Bei den Singzikaden der in Nordamerika verbreiteten Gattung Magicicada sind es sogar 13 oder 17 Jahre. Sie zeichnen sich besonders durch regelmäßige Massenvermehrungen aus.
Hier ist ein Beispiel, die letzte der fünf Häute die sie entschlüpfen.
Schon seit Jahrtausenden sind Zikaden, und besonders die Singzikaden, ein Bestandteil der Mythologie, Kunst und Folklore. Ihre besondere Bedeutung ergibt sich vor allem aus ihrem Gesang, ihrer außergewöhnlichen Lebensweise, ihrer Allgegenwärtigkeit,
ihrer Größe und ihrer Schönheit.
In der Literatur (Gedichte, Fabeln und Erzählungen) spielen die Zikaden eine bedeutende Rolle. Abgehoben wird überwiegend auf die Zikaden als Sänger oder als Sinnbilder für Musik und Kunst aber auch als Lärmverursacher.
Singzikaden und ihre Gesänge werden bereits in den frühesten schriftlichen Werken,
der „Ilias“ von Homer (800 v. Chr.) erwähnt.
Singzikaden wurden und werden auch in der Medizin eingesetzt.
Vor allem in China und Japan wurden die Larvenhäute verwendet, um daraus ein Mittel, ironischer weise gegen Ohrenschmerzen, herzustellen. Heute noch werden aus Zikaden Präparate gegen Fieber gewonnen. Im Orient wurde die „Rote medizinische Zikade“ für ein Mittel gegen Blasen eingesetzt. Von dem Glauben ausgehend, Zikaden wären unsterblich, nutzten auch die Oraibi-Indianer eine Medizin aus diesen Tieren gegen tödliche Verletzungen.
In der Ernährung spielen Zikaden, vor allem Singzikaden, auch heute noch eine Rolle.
Zikaden haben 153 Kalorien pro 100g, ähnlich wie gebratenes Hühnchen. Weltweit sind 73 essbare Arten bekannt, darunter auch etliche Singzikaden.
Bei den Tabare Sine einem Volk, das im Hochland von Papua-Neuguinea lebt,
gelten die dort beheimateten Singzikaden als Delikatesse.
Ich mag sie zwar sehr, habe sie aber nicht zum fressen gern!
Woher ich das alles weiß? Dank Wikipedia!
Liebe Grüße!

Kommentare:

  1. Und ich weiß jetzt auch wie sie sich anhören... dank Internet :)
    Liebe Grüße

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  2. Hallo Ela
    sehr schöne Bilder und große info.

    Grüße und ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende.
    Joop

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  3. Hallo Ela. Das war aber ein sehr interessanter Bericht. Wir haben sie auf Rhodos singen gehört, aber nie gesehen. Dieser Gesang ist wirklich laut und gewaltig. Aber ich weiß nicht, ob es sie bei uns gibt. Gehört habe ich jedenfalls hier noch keine. Viele liebe Grüße von Inge

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  4. Liebe Ela,
    das war ja der reinste Biologie-Unterricht. Hut ab, vor Deinem Wissen, auch wenn es von Wikipedia stammt. Beim Anblick dieser Viecher bekomme ich Gänsehaut. Wenn bei uns in der warmen Jahreszeit die Zirpen ( einen anderen Namen weiß ich nicht ) ihren Gesang abgeben, das kann auch schon ganz schön laut sein. Das kann man nur hören, wenn man abends auf der Terrasse sitzt.
    Auch diesen Bericht habe ich wieder mit Spannung gelesen.
    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    Ingeburg

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  5. wow, dass Dir das gelungen ist ... ich habe sie in Kreta im urlaub kennen und lieben gelernt ... froh bin ich, dass wir menschen für die liebe nicht auf bäume klettern müssen ... bei Karl May standen die auch auf dem
    menuezettel seines arabischen kochs und sollen äusserst schmackhaft und knusprig gewesen sein ... mahlzeit ... lg kri

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  6. Gesehen habe ich sie noch nicht, doch nach Deinem tollen Bericht werde ich auch hier mal Ausschau halten. Vielleicht hat sich die ein oder andere auch hierhin verirrt. Doch eines steht für mich ja schon mal fest, ich würde eher auf Grashalm oder Klee ausweichen, als so eine zu verspeisen...

    Sei lieb gegrüßt
    Kvelli

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  7. Liebe Ela

    Dies Tierchen habe ich auf Rhodos kennen gelernt. Dämmerung scheinen sie ja besonders zu mögen .. :-)
    Tolle Fotos - und lustiger Kommentar! Gefällt! Danke.

    Liebe Lächelgrüesslis
    Franziska Sternenzauber

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  8. ...na eines muß ich erst mal sagen, der Gesang ist weit schöner als das Tier, denn das sieht ja gar nicht vertrauenserweckend aus...aber so entscheidet es die Natur liebe Ela...

    alles war wieder interessant und ich bin wieder einen Teil klüger, das sind die Blogs, die ich so mag...

    wollte auch mal sagen, dass ich auf meinem Blog ganz oben eine Rubrik eingerichtet habe für die Blogs, die ich besonders mag, die mir auch sehr informativ vorkommen, oder eben auch wunderbare Bilder zeigen...

    ab heute habe ich dich in diese Liste eingeret und wer mal nachlesen möchte, dann bitte dort

    http://gelis-oase.blogspot.com/p/gelis-gedanken-uber-andere-blogs.html

    so, dann ein schönes WE für alle...lG Geli

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  9. Liebe Ela,
    danke für die diese interessante, sehr informative Lektüre und tolle Fotos sind Dir sehr gelungen...
    sie sollen sogar an der Nord- und Ostsee in den Salzwiesen heimisch sein, hab' aber noch keine gesehen oder gehört...

    ein schönes Wochenende wünscht Dir Traudi und lässt liebe Grüße hier

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  10. Is that what those chirpy things look like..?

    Are those the same ones that make a massive chirrupping chorus in nighttime scenes in American films? Must be, I suppose...

    But I never knew they looked like that. I thought they were like grasshoppers.

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  11. Liebe Ela,
    wow das ist besser als jeder Biounterricht in den Schulen.
    Danke für die Aufklärung.
    Es ist schon enorm was es alles an Insekten gibt und vor allen Dingen das sie auch recht "groß" und viele werden können.
    Liebste grüße,
    Moni

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  12. Hallo liebe Ela,
    nachdem ich eben erst mal Deine letzten, von mir verpassten Posts wahrlich genossen habe muss ich Dir gestehen, dass ich noch nie von Singzikaden gehört habe. Sehr interessante Tierchen. Hier kämpfe ich gegen die Zikaden an unseren Rhodos, leider.
    Trotzdem, Kanada ist eine wunderbare und atemberaubende neue Heimat, die Du Dir ausgesucht hast. Du bist um die Schönheit der Natur um Dich herum einfach zu beneiden.
    Viele liebe Grüße
    Birgit

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  13. Hallo Ela
    was für schöne Bilder und so informativ!! Hier in CT höhre ich die Zikaden sehr selten. Ich aber noch als wir in New Mexico wohnten da war die ganze Hauswand und die Baumstämme mit Zikadenhäuten voll aus denen sie geschlüpft sind. Das sah immer herrlich gruselig aus :)
    Dank Dir schön für den schönen post!!!
    *hugs*
    Birgit

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  14. Ich bin fasziniert, liebe Ela! So etwas gibt es freilich hier bei uns nicht! Und ich finde ganz toll, daß Du herausgefunden hast, wann Du sie knipsen kannst. Denn das ist manchmal gar nicht so einfach! Daß Du dann gerade zur Eiablage recht kamst, hat sich ja prima gefügt!

    Danke für diesen ausführlichen Fotobericht!

    Liebe Grüße zum Sonntag
    Sara
    - hier gießt es mal wieder in Strömen ;-) -

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  15. Liebe Grüße aus dem verregneten Bochum von
    Angela und Elisabeth, verbunden mit herzlichem
    Dank für deinen wunderschönen Bericht in Wort und Bild.

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  16. Beeindruckende Fotos. Auch wenn ich "Krabbelviecher" ja ziemlich ekelig finde, aber solche Fotos faszinieren mich immer wieder.
    Liebe Grüße, Coco

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  17. Liebe Ela, fand ich sehr interessant und aufschlussreich. :-)
    Lieben Gruß. Bina

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