Samstag, 6. Juni 2015

Ein echtes „Ñandutí“?

Und das bei meiner 90 jährigen alten 
pingeligen Dame, von der ich neulich erzählt habe! 
Ja, heute war ich bei ihr, um erneut den nicht 
vorhandenen Staub von ihren Antiquitäten zu wischen.
 Und da lag es!
Ein kleines vergilbtes und altes Deckchen unter 
der Vase am Eingang. 
 Nebenbei: bin ich befördert worden und darf inzwischen mit einem 
echten Wisch-Wedel… einen echten Mob (mit Stiel)… 
und in Zukunft Freitag anstatt Samstag arbeiten…
Jaaahaaaa, langsam lerne ich wieder mich durchzusetzen!
Als ich nach der Herkunft des Deckchens fragte, 
sagte die Dame, sie weiß es nicht mehr, sicher von irgendeinem Trödelmarkt. Ich erklärte ihr, 
das es sich um ein Ñandutí aus Paraguay handelt 
und die Geschichte dazu. Sie war begeistert!
Ich nehme an, dass dieses kleine Teil, irgendwann 
ein Mitbringsel der Mennoniten war. Auf dieser 
Weise findet man immer wieder etwas 
aus Paraguay hier in Kanada.
 Ñandutí ist Guaraní und bedeutet „Spinngewebe“.
Die Kleinstadt Itaguá, in der Nähe von Asunción,
 ist die Heimat des Ñandutí.
Diese Stickerei entsteht auf einen Stoff der auf 
einen Holzrahmen gespannt ist. Später, 
wenn die Stickerei beendet ist, wird der Stoff 
ganz oder teils, je nach Muster fein weggeschnitten.
Typisch für Paraguay, gibt es verschiedene
 Geschichten, was die Herkunft der Stickerei betrifft.
Angefangen von der Sage in der zwei jungen 
Indianern um die Gunst der Angebetete kämpften. 
Oder die Geschichte, in der eine kleine Angestellte 
von der Patrona so lange eingesperrt wurde, 
bis das Mädchen inspiriert von einer Spinne, 
einen Ersatz für das alte und kaputtgehende 
Spitzentuch der Spanischen Patrona erstellte.
 Genau kennt man seine Herkunft nicht. 
Ich persönlich tendiere für die logische Erklärung; 
Die Wurzeln stammen aus Teneriffa.
Ca. 300 Jahren zurück, wurden Frauen aus 
Teneriffa nach Paraguay geholt, um die zu der 
Zeit dort lebenden Spanier zu heiraten. 
Da es diese Stickerei schon lange vorher in Teneriffa 
gab (Teneriffe Sol Lace), wurde von dort diese 
einzigartige Stickerei mitgebracht und eingeführt.
Leider habe ich meine Ñandutí Sachen 
schon eingepackt. Gerne hätte ich euch ein 
paar Fotos gezeigt. Besonders von 
meinem buntem Gockel Bild.
Aber ich habe noch Bilder von einer paraguayischen Tanzgruppe. Als ich September 2013 in Deutschland war, traten sie zum Jahrestreffen vom Club Paraguay auf. 
 Die Kleider wurden alle aus dieser schönen 
paraguayischen Ñandutí Stickerei hergestellt.
Übrigens; die Paraguayer sind sehr lebensfrohe 
Menschen und drücken das gerne 
im Gesang und Tanz aus.
La Galopera, so heißt der berühmte Flaschentanz,
wird auch mit einem Cántaro (Tontopf) getanzt.
Die Flaschen werden ohne sie in irgendeiner Weise zu befestigen, während des Tanzes auf dem Kopf balanciert. 
Weitere Flaschen kommen während des Tanzes hinzu.
 Ich habe euch einen Link rausgesucht. Hier Tanzt eine gruppe bei einem Festival in Spanien. Schaut her, wie viele Flaschen diese Tänzerin auf ihrem Kopf balnciert.
(unten klicken)




 Einige Tänzerinnen heben mit ihrem Mund ein Tuch vom Boden ohne die Flasche/n festzuhalten.
(Ok... manchmal auch ohne Tuch...)
 Das Balancieren wird in Paraguay schon früh gelernt.
 Zum Schluss noch ein Foto mit Eduardo Huber im Bild, 
der Vorsitzende vom Club Paraguay e.V.
...Nee, das war noch nicht der Schluss...
psssst...
...schaut mal was ich bei der alten Dame heute im Besenschrank entdeckt habe!
Ich musste schmunzeln, denn ich konnte es mir bildlich, farblich und cartoon-mäßig vorstellen, wie sie die Waffe abfeuert und dabei rückwärts auf ihren Allerwerteseten knallt.
Ok... war wohl nicht so eine gute Idee, die gsamten Folgen von Dr. House anzuschauen. Sein Sarkasmus hat offensichtlich bei mir Spuren hinterlassen.
Ach was soll es, die Woche war ziemlich bescheiden 
und sehr anstrengend, da tut Lachen auch mal gut... 
auch wenn es über andere ist.
Ich wünsch euch einen schönen Sonntag 
und sende liebe Grüße!

Kommentare:

  1. *lautlach*...da sattel ich das Pferd mal von hinten auf, denn ich habe gerade Elmar Fudd vor den Augen, der hat doch auch immer versucht mit ner Büche dem Bugs Bunny ans Fell zu gehen^^ Einfach nur herrlich und danke dir für den Lacher.

    Danke dir auch für den oberen superinteressanten Teil von der Stickerei, denn schon gesehen wusste ich die Geschichte darum noch nicht. Werde nun auch mal verstärkt gucken und nachfragen und dann kann ich ja vielleicht auch das eine oder ander Foto von solch einer Arbeit machen. Ich kenne nur Geschichten ums Auswandern nach Kuba, aber da waren es doch meist die Männer die dann oftmals auch wieder zurückgekommen sind. Von Tinerfeñas nach Paraguay war mir auch neu.

    Beeindruckend auch der Flaschentanz. Was für eine Grazie und Balance. Muss echt toll sein diesen Tanz live erleben zu können. Schön finde ich auch diese Farbenfreude. Für mich auch immer wieder ein Ausdruck wieviel Lebensfreude in diesen Menschen steckt.

    Besonders toll finde ich natürlich dass du dich durchgesetzt hast. Liegt aber bestimmt auch daran dass die alte Dame so langsam Vertrauen zu dir findet ;-)

    Wünsche dir noch einen superschönen Sonntag und sende ganz liebe sowie herzliche Grüsse rüber

    besitos y abrazos

    N☼va

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  2. Liebe Ella, unglaubliche Fertigkeit so ein Flaschentanz - Deine wunderbaren Fotos veranschaulichen so genau, wie geschickt sich die Frauen bewegen. Dann Deine Beschreibung dieser Zufallsentdeckung unter der Vase und die dann anschließenden Erklärungen.....wie immer habe ich ein Stückchen mehr gelernt. Du bist unglaublich und ich hoffe Dein Fuss ist auch wieder "voll einsetzbar". Einen schönen Sonntag und laut Wuff und LG
    Aiko

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  3. Ella, du bist köstlich.

    LG Heide

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  4. Hallo Ella,
    ach hier bin ich richtig, ich musste auch herzhaft lachen, mit der alten Dame wirst Du noch einiges erleben.
    Ich hoffe, Deinem Fuß geht es besser und sende Dir noch einen lieben Sonntagsgruß
    Manu

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  5. Liebe Ella, ich hoffe, Deinem Fuss geht es jetzt etwas besser mit der Wundersalbe. Mach alles langsam. Dann hast es bald wunderschön. Dein Garten und Dein Haustier sind ja wunderschön.
    Ich hoffe Deinem Mann geht es nicht ganz so schlecht. Macht es Euch schön, wenn alles fertig ist. Eva aus Nordrhein-Westfalen . Ich schaue immer wieder mal in Deinen interessanten Blog.

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  6. Das ist ja spannend, daß Du ein Deckchen in Canada nach Paraguay-Art gefunden hast, liebe Ella! Und die Kleider sehen sehr schön aus. Danke für die interessanten Infos. Man lernt doch nie aus. Das mit den Waffen ist sicherlich ähnlich wie in Amerika. Hier wäre sowas und ohne Waffenschein nicht erlaubt. ;-)

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