Freitag, 12. Februar 2010

Grrrrrrrr.....

Gerade noch glaubte ich; Papiere, Behördengänge, und Umzug ist erledigt und kann mich entspannen… doch wäre da nicht so einen winzig kleine Einschränkung in meinem Pass. Nichts Ungewöhnliches und ihr kennt es alle. Die Dinger behalten nur 10 Jahre ihre Gültigkeit. So ist auch mein (deutscher) Reisepass am 10.03.2010 fällig. Da das Ganze (im Normalfall) 8 bis 10 Wochen dauert, wurde es Zeit zum dt. Konsulat nach Toronto zu fahren.
Schön brav und den deutschen Ansprüchen entsprechend, habe ich mir alles aus dem Internet runtergeladen. Antragsformular ausgefüllt. Passfotos peinlich genau nach Vorschrift machen lassen, Aufs genaue Format, Farbe und Hintergrund achten und ganz ohne zu Lächeln!
Mit allen notwendigen Dokumenten in der Tasche, bin ich ganz früh, frisch und fröhlich nach Toronto gefahren. Erst wollte Kurt mit, aber es ging ihm nicht so gut und ich wollte bald zurücksein weil er heute Geburtstag hat.
Happy Birthday Kurt!!!
Ich war so gut drauf und konnte diesem herrlichen Sonnenaufgang nicht wiederstehen.
In Toronto schien wunderschön die Sonne und ich dachte noch so für mich; „wenn ich fertig bin, fahre ich noch kurz zum Hafen runter, den Ontariosee begrüßen und ein paar schöne Fotos mitnehmen.“ Zum Glück hatte ich zumindest am Hinweg aus dem Autofenster ein Foto gemacht. Ich war richtig aufgeregt und glücklich endlich wieder da zu sein. Es ist eine wunderschöne Stadt und manchmal brauch ich auch ein wenig Großstadtluft zum atmen.
Habe das Konsulat im 25ten Stock eines Hochhauses gefunden.
Sicherheitsmaßnahmen! Ist ja inzwischen selbstverständlich (auch für mich verständlich). Kameras, Handys, etc.… alles abgeben und Körperkontrolle mit Metalldetektor (auch noch verständlich). Ein älterer Herr vor mir, hatte eine kleine Flasche Wasser dabei… da hieß es; „sie dürfen das Wasser mit reinnehmen, aber sie dürfen es drinnen nicht trinken.“ …???... Da hatte mein bescheidener Verstand seinen ersten offiziellen Aussetzer des Tages!
Drinnen: Einen Warteraum und drei Schalter mit gepanzertem Glas. Der Erste war für Passanträge. Der Zweite für Visumanträge und der Dritte hatte noch seine eigene kleine Abteilung und war nicht beschildert. Hinterher war mir klar; für besondere Fälle.
Wie beim Metzger bekam ich auch hier eine Nummer und war die Übernächste am Schalter für Passanträge. Die Dame dahinter war noch sehr deutsch. Sie zeigte es auch! Sie hatte schwarze Haare mit goldgelb gefärbten Pony und Wuschel… das fehlende Rot zur Nationalfarben, kam automatsch als sie mit meinen Antrag sichtlich überfordert war. Ihre Birne lief rot an! Ok… ich muss zugeben, es ist auch ein wenig verwirrend; in Paraguay geboren und außer der deutschen auch noch die englische Staatbürgerschaft. Die nächste Beamtin kam hinzu. Sie machte einen wesentlich globaleren Eindruck auf mich. Sie hat sich das Ganze angeschaut und bat mich hinzusetzten und warten. Sie verschwand mit meinem gesamten Unterlagen und rief mich eine halbe Stunde später, hinter dem unbenannten Schalter wieder ran.
Sie wollte wissen ob meine Eltern Deutsche waren. Dann verlangte sie einen Einbürgerungsschein als Beweis dass ich deutsche bin. …He???... Nachdem ich mich von meinem zweiten Verstand-Aussetzer erholt hatte, deutete ich auf meinen (alten) Reisepass und fragte; was ist denn das? Wie soll ich über fünfzig Jahre im Besitz eines deutschen Reisepasses sein, wenn meine Staatsangehörigkeit noch nicht geklärt ist. Ich höre heute zum ersten Mal was von einem „Einbürgerungswisch“. Wissen sie wie das damals vor fünfzig Jahren gelaufen ist in Paraguay? Da hat sich mein Vater aufn Gaul gehockt und ist runter zum alten Vogel geritten (so hieß er wirklich) der wiederum, ist alle paar Monate mal zur Hauptstadt gefahren und erledigte alle Behördengänge der Deutschen dort. Ein Sogenannter oder auch selbst ernannter „Attaché“ der dt. Botschaft! Dann wurden noch ein paar (oder auch mehrere) Schnäpse runtergekippt und gut war’s! Einen Einbürgerungsnachweis kannten wir nicht!
Dann musste ich nochmal warten… ich wurde wieder zum Namenlosen Schalter gerufen…
Da fing sie schon wieder an mit dem Einbürgerungsnachweis… ich holte tief Luft und sagte; das habe ich ihnen doch schon erklärt;
„i c h h a b e s o w a s n i c h t“… darauf
sie; „nein, nein… das mit dem dt. Einbürgerungsnachweis ist erledigt, ich brauche aber den von England als sie ihre englische Staatbürgerschaft beantragt haben.“ ….?????.... Da kam auch schon mein dritter Verstand-Aussetzer um die Gehirnecke…
Ich „wieso?“
Sie „um zu prüfen ob sie Anspruch auf der dt. Staatsbürgerschaft haben.“
Ich „hab kein… und überhaupt, können sie den nicht wie den ersten auch als „erledigt“ behandeln? ich hab doch einen dt. Pass und brauch doch nur einen Neuen“.
Sie (patzig) „ich versuch doch nur ihnen zu helfen. Eigentlich ist es ihre Aufgabe alle Unterlagen zu haben. Wir haben schließlich unsere Vorschriften“.
Ich „aber wenn ich doch noch nie diese Unterlagen brauchte um im Besitz eines deutschen Reisepasses zu kommen.“
Sie „dann werde ich die Gemeinde Gemmingen anschreiben die ihren letzten Pass ausgestellt haben. Die müssen das in den Unterlagen haben.“
Ich „ich habe sowas noch nie vorlegen müssen!“ und überhaupt, ich schreibe hier im Antragsformular doch nicht freiwillig eine weitere Staatsangehörigkeit rein wenn ich gar keine habe!“
Sie „es geht ja auch nur darum WO die englische Staatsbürgerschaft beantragt wurde.“
…???...
Ich
„wieso?“
Sie „weil wenn sie die englische Staatsangehörigkeit in Deutschland beantragt haben, dürfen sie die deutsche Staatsbürgerschaft behalten. Haben sie sie aber in England beantragt, verlieren sie die Deutsche.“
…………..?????????????????.............
mein Ober-Verstand-Aussetzer war fällig! Immerhin habe ich dafür was Anderes verstanden; warum Panzerglas und Waffenkontrolle!!! Die haben nicht Angst vor Terroristen, die haben Angst verdroschen zu werden!
(Tiiiieeeeeef einaaaatmen… tiiiieeeeef aaaauuusssaaaatmen….)
Ich „darf ich ihnen in dieser Angelegenheit eine kleine Geschichte erzählen? 1981 sind wir nach England gezogen. Auch damals war irgendwann mein Reisepass abgelaufen und wir sind nach London zur dt. Botschaft gefahren und genau wie hier alles abgegeben für einen neuen Pass. Ein paar Wochen später erhielt ich von der Botschaft einen Brief mit der Verkündigung ich habe ab sofort kein Recht auf der dt. Staatsangehörigkeit. Ich hatte es damals akzeptiert und auch keinen Wiederspruch eingelegt. Ca. Sechs Monate später, bekam ich einen Anruf aus der Botschaft mit folgendem Inhalt: Frau Bennett, es gab ein personalwechsel in der Botschaft und auch ich bin neu hier. Ich bin zufällig auf ihre Akte gestoßen und möchte mich hiermit im Namen der dt. Regierung entschuldigen. Man hat ihnen fälschlicherweise ihren Pass abgenommen in einen neuen verweigert. Selbstverständlich haben sie das Recht auf beide Staatsangehörigkeiten! Grund dafür ist; sie haben fünf Tage vor Änderung dieses Gesetzes einen Engländer geheiratet und somit fällt ihre Angelegenheit noch unter das alte Gesetz! Nehmen sie unsere Entschuldigung an und erlauben sie mir ihnen einen Reisepass zuzuschicken? Selbstverständlich übernimmt die Botschaft sämtliche Kosten!“
Sie „haben sie eine Bescheinigung darüber? Oder den alten Reisepass den man ihnen damals ausgestellt hat?“ ….???.... (langsam tut‘s weh…)
Ich „nein, aber ich hätte bestimmt auf eine schriftliche Bestätigung bestanden, hätte ich damals geahnt was heute auf mich zu kommt“.
Sie „haben sie die Heiratsurkunde von damals“?
……?????......
erst spielte es eine Rolle wo der Antrag gestellt wurde… jetzt doch wann wir geheiratet haben? ……????......
Schön, wir haben uns geeinigt, dass ich Zuhause nachschaue was ich noch habe und es ihr per Mail oder Fax sende. Irgendwie kann ich mich an einem Schreiben der britischen Home Office erinnern. Außerdem musste ich eh noch eine Bescheinigung über meinem Mädchennamenrückänderung zusenden so wie die Abmeldung meines letzten Wohnsitzes in Deutschland. ---denn sonst wäre ich ja gar nicht hier--- ….????.... Versteckte Kamera oder war was in meinem Kaffee?
Na gut, ich bin raus. Mir war es sowas von k…. übel!!! Nein ehrlich, für Euch ist es vielleicht lustig aber ich war fuchsteufelswild und geladen! Da ist mir die Lust auf Ontariosee völlig vergangen.
Ich war sowas von „abgepisst“ (ist unser Insider Witz weil ich mich mal versprochen hatte)!
Ehrlich, ich weis wirklich nicht mehr, ob ich den sogenannten Antrag damals in D oder GB gestellt habe. Irgendwie bin ich mir fast 100pro sicher es war in England. Das heißt, zu 96% bin ich eine „ehemalige Deutsche“! Aber wenn es so ist, dann trägt die heutige Erfahrung dazu bei, dass ich gar nicht traurig darüber bin! Oder doch ein wenig?
Es werden bestimmt ein paar Monaten vergehen bis das Konsulat alle Informationen hat. Vielleicht wäre es ratsam, so bald wie möglich den englischen Pass zu beantragen. Der alte ist schon ein paar Jahre abgelaufen.
So, jetzt werde ich schlafen gehen… und das auch nur um eine Schlaflose Nacht zu haben!
Guts Nächlte und einen lieben Gruß!

Kommentare:

  1. oweia, die Paesse der Kinder laufen 2012 ab, da kann ich mich ja jetzt schon mal warm anziehn :o(. GLG aus dem Osten, Susi

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  2. hast du dich inzwischen erholt von dem ganzen?
    liebe gruesse aus dem westen :))

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