Donnerstag, 18. Oktober 2012

Erinnerungen aus Babykleidung

Am Montag waren diese zwei „Memory Quilts“ fertig. Wie alle meine Arbeiten fotografiere ich sie, bevor sie zu den Auftraggebern gebracht werden. Leider nieselte es den gesamten Nachmittag, so dass mir keine Wahl blieb, als sie in dem schiet Wetter schnell, schnell zu verewigen und mich mit einer schlechten Bildqualität zufrieden zu geben.
Am Abend brachte ich sie zur Familie und die Freude war sehr groß. Die Decken wurden im Wohnzimmer auf dem Boden ausgebreitet, die Kinder turnten, rollten und hüpften darauf herum. Die Eltern erinnerten sich und erzählten kleine Geschichten beim Betrachten der zusammen genähten Teile, die einst ihre Babys/Kleinkinder als Kleidungsstücken trugen.
„Memory“, das ist der Zweck dieser Decken.
Am Anfang, wenn ich den Auftrag bekomme und Zuhause vor ein paar Kartons mit Kleidungsstücken sitze, denke ich; oh Gott! Doch schon bald, nach dem ersten zuschneiden und zusammenpassen der Teile, wächst mehr und mehr die Freude an dieser Arbeitund meine Phantasie geht ihre Wege. Zuletzt möchte ich sie schon am liebsten behalten… doch die Freude und Bezahlung der Besitzer, helfen ganz schnell drüber weg.

Liebe Grüße!

Sonntag, 14. Oktober 2012

Kürbisse

Immer wenn es uns die Zeit im Quilt Store erlaubt, nähen wir Beispiele für den Laden aus neuen Mustern. So lassen sich diese viel einfacher verkaufen und es macht Spaß.
Am vergangenen Freitag habe ich saisongerecht Kürbisse genäht…
mal was Anderes als Decken und Deckchen…

 Hiert nochmal der alte Laden zur jetzigen Zeit
 Ein älteres Foto eines Monsterkürbisses.
Liebe Sonntagsgrüße!

Freitag, 12. Oktober 2012

Elch & Co. in Algonquin

Fast hätt ich‘s vergessen; immerhin hab ich in Algonquin meinem ersten Moose geschossen! Den muss ich euch noch zeigen! Nur leider regnete es an diesem Tag und die Bilder sind dem entsprechend auch von schlechter Qualität, aber immerhin mein erster Elch samt seiner Kuh in freier Wildnis!



 Außer „Ossi“ und „Wessi“, die ich schon ein paar Posts zurück vorstellte, sah ich nicht viel was sich lohnte die Kamera zu zücken.
Morgens konnte ich die Reiher beobachten wie sie ihr Frühstück aus dem Wasser fischten, aber dann auch meist schnell davonflogen.



 Und zuletzt; kennt ihr das? man wandert durch einen einsamen Wald, es ist alles still, weit und breit nichts zu sehen und doch fühlt man sich auf die unheimlichste Weise beobachtet… und wirklich; beim besserem hinschauen hockt da was und schaut einem die ganze Zeit an.
Diesmal war es dieses Käuzchen!
Liebe Grüße!

Montag, 8. Oktober 2012

Aussichten vom Centennial Trail

Unsere Provinz Ontario, ist mit seinen 917,741Km² ein wenig größer als Deutschland und Frankreich zusammen. Trotzdem haben wir so gut wie keine Berge… ok, aus Norddeutscher Sicht bestimmt! Doch schon ein paar 100 Km weiter südlich, lacht sich der Bayer kaputt, wenn er hört, dass unser höchster Berg der Ishpatina, 83Km nördlich von Sudbury, gerade mal 693Mtr in den Himmel sticht! 
Daher auch unser Wettereinfluss, im Winter Kalt und Sommer heiß. Doch mein Bericht heute handelt nicht um Wetter und auch nicht von Geographie… nur so ein wenig am Rande, als Beispiel um euer Vorstellungsvermögen zu unterstützen.
Es geht weiterhin um den Algonquin Park und meinen Centennial Wanderausflug. Auch wie schon vorher erwähnt, war das Wetter nicht so besonders und es wurde ziemlich kalt beim campen. Ich hatte meine Jacke vergessen, was wieder ein Vorteil war, denn Kurt konnte mich nicht leiden sehen und musste mir eine Neue kaufen… hihi.
10,5Km Rundwanderung, beschrieben mit schwierigkeitsstufe 3 und eine Wanderzeit von mindestens 6 Stunden. Ich musste lachen, 10,5 Km und dazu 6 St.? 
Ha, ha… ich sagte noch zu Kurt; hol mich in 4 St. Ab. (hinterher war ich schlauer!)
Regen war angesagt, aber auch unser letzter Tag. Was sollte denn schon passieren? Ich hatte eine neue Vliesjacke und ein Regencape! Also bin ich los!
Es hat keine 200Mtr Wandern gedauert, da fing ich schon an zu begreifen… es war ein sehr, sehr ansträngender Wanderweg, immer wieder steil bergauf, steil bergab und führte zu mitunter, eins der höchsten Berge in Algonquin.
Ganze 590Mtr!
Nur schade, dass die Herbstfarben noch nicht in voller Pracht war.
Ich war allein, wusste nur, dass vor mir zwei sehr geübte Wanderpaare waren. Hinter mir ein junges Paar mit einem noch jüngeren Hund. Immerhin aus Sichtweite und normale lautstarke Hörweite. Das war irgendwie beruhigend, obwohl ich ja immer sehr gerne alleine bin.
Leider sind die Fotos nicht so schön wie bei blauen Himmel, denn es regnete immer wieder zwischendurch, aber es hat sich sowas von gelohnt!
Hier meine Bilder von verschiedenen Aussichtspunkten.
 (Canadian maple leafs after the rain.)

 Mein ertser Ausblick... wow! Unten der Whitefish Lake.





 Auch mal wieder unten...
 ...und gleich wieder hoch!



 Die nächsten drei Bilder zeigen den Wanderweg.
 Ungeschütze Hänge und jeder ist für sich verantwortlich.
 Wanderweg durch den Wald. Sehr gut markiert!


 Nochmal unten...

 Ein Bieberdamm.



 Und wieder ganz oben! Hier habe ich kurz Rast gemacht und die aussicht voll genossen.
Liebe Grüße!

Sonntag, 7. Oktober 2012

Das ehemalige Sägewerk

Wer die Stille und Einsamkeit zu schätzen weiß, ab und zu die Seele von der Leine lassen und sich prächtig erholen möchte, ist hier in Kanada genau richtig. Ok, wir haben auch Städte und Orte an denen es nicht so Ruhig ist, aber ich gehe jetzt mal von mir aus und ich suche immer wieder die große Freiheit in der großen (halb) Wildnis dieses Landes. Und garantiert; die finde ich hier!
So geht es auch heute (endlich) weiter mit meinen Algonquin Bericht.
Hier im Park gibt es diese Stille. Weit über 200 Zugvögel sind schon in Richtung Süden zum überwintern gedüst und hinterlassen nichts als eine zwitschernde Stille.
Das erste Foto war am Strand unseres Camps. Es war kein großer Platz, nur 72 Plätze und fast alle belegt. Doch da die Schulferien beendet waren, kamen fast nur Senioren mit ihren riesen, riesen Campingbusse und riesen, riesen große Wohnmobile. Also bleibt es bei der Ruhe.
 Manchmal schon ein wenig unheimlich wie still es auf eine Wanderung ist. Nur die Eichhörnchen und Streifenhörnchen hört man im Laub rascheln. So auch eines Abends bei Einbruch der Dunkelheit hier am Strand, machte ich einen „Verdauungsspaziergang“. Es war sehr kühl geworden und ich war mit einer schnatternden Scharr Gänse ganz allein. Es war so still, dass beim ersten lautstarken Erfolg meines bezweckten Spaziergangs, alle Gänse aufschraken und in die schon fast Dunkelheit hineinflogen… nur weg von mir.

 Auf meine Wanderwege treffe ich selten auf Menschen, was einerseits auch gut ist, sonst käme ich ja nie vorwärts. Trifft man hier auf Jemanden, reicht nicht nur ein kurzer Gruß, nein, es muss auch immer ein Schwätzchen folgen. Sollte es doch mal vorkommen (fast nie), dass man keine oder nur ganz kurze Antwort auf einen Gruß bekommt, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass es sich um französische Kanadier handelt. Von Ausnahmen abgesehen und auch will ich niemanden auf dem Schlips treten, aber die sind hier für uns sowas Ähnliches wie die Argentinier für den restlichen Südamerikanern sind.
Aber wie gesagt sehr selten.
Meine Geschichte heute, habe ich auch ein paar Passanten abgehört.
Ich machte mich auf den Spuren des alten Sägewerks und lief entlang des „Whitefisch“ Sees, was nicht mehr erkennbar, aber mal Eisenbahngleise waren.
Hier z.B. am Anfang des Sees über eine alte Eisenbrücke, kommt doch tatsächlich ein kleines Boot angeschippert. Und tatsächlich; als sie mich oben auf der Brücke stehen sahen, machten sie den Motor aus um mit mir zu schwätzen und sich dafür zu bedanken, dass ich sie fotografiert habe. 
 Dann sind sie weiter und ich setzte meinen „hike“ fort.
 Ein paar Bilder am Whitefish lake entlang.





So hat es mal früher ausgesehen. Ein laufender betrieb.



So sieht es heute aus. Alles was zurückblieb, ein großer freier Platz mitten im Wald.
Erkennbar sind noch Reste von Holz.



 Nicht zu übersehen; Rostroter Schrott der von der Sonne angestrahlt in der grünen Umgebung aufleuchtet.
 



 All das lässt erkennen, dass hier mal richtig was los war und nicht immer so eine Stille herrschte.
Auch ich schwebte gedanklich hier auf den leeren Platz in einer alten Zeit als urplötzlich zwei große Hunde auf mich zugeschossen kamen. Ein Husky und junger weißer von Kopf bis Schwanz von Locken umgeben und so groß wie ein Kalb! Uuuups… aber, da kamen auch schon zwei ältere Damen aus dem Wald der gegenüber liegenden Seite, hinterher geschossen und laut nach den ungerhorsamen Hunden rufend. Eigentlich waren es noch keine „ältere“ Damen, sie waren höchstens so alt wie ich!
Hunde hier von der Leine zu lassen, kann evtl. mit ein Nimmerwiedersehen des Hundes enden. So vermutete ich keine Touristen wie ich Touristen z.B.
Bis zum ankommen der Damen, befand ich mich inzwischen schon beim Hundestreicheln.
Die Damen entschuldigten sich mehrmals wegen des freundlichen Überfalles der Hunde und schon kamen wir ins Gespräch (wie üblich eben).
Die eine erzählte mir, dass sie von ihren Großeltern ein kleines Cottage unten am Wasser geerbt hat und z.Z. dort Urlaub macht. Ganz ohne Strom, fließend Wasser, oder sonstigen Luxus. Das Cottage stammt noch aus der Zeit des Sägewerks und gehört zu den wenigen die noch so zu sagen in fast Privatbesitz innerhalb des Parks bestehen.
Ich fragte nach dem Sägewerk und sie erzählte mir darüber. Darunter eine kleine Geschichte aus ihrer Kindheit, die meine Phantasie in dieser Zeit versetzte und hier, diesen leeren Platz erneut, in Gedanken zumindest, zum Leben erweckte.
Ihre Geschichte: 
„ich erinnere mich… als wir Kinder waren, haben meine Schwester und ich hier bei unsere Großeltern in den Cottage unsere Ferien verbracht. Das Sägewerk hatte Hochbetrieb, es wurde Tag und Nacht gearbeitet. Es waren viele Menschen da, es war laut und viel Leben drum herum. Der Koch vom Sägewerk war ein ganz lieber alter Mann der uns sehr mochte. So sind wir jeden Abend vom Cottage ausgebüchst und heimlich zu ihm in die Küche des Sägewerks. Wir bekamen jeder einen großen Becher Tee und frischgebackene Kekse. Anschließend durften wir mit ihm die Bären füttern, die wie jeden Abend aus dem Wald kamen und die Küchenabfälle verputzen.“
Ich fand die Geschichte sehr schön und musste an Eigene aus meiner Kindheit denken.
Die Macht der Gewohnheit zwang mich zum Umschauen nach einem kleinen Stück Holz. Einfach so, um es als Andenken mitzunehmen. Schon stieß mein Blick auf den kleinen „auf mich warteten Flieger“ der vor mir lag. Klar, der musste mit!

Herzliche Sonntagsgrüße und an allen kanadischen Leser;
„Happy Thanksgiving“!